Geschichte des Glases

Die ältesten Glasfunde wurden im Gebiet des heutigen Ägypten, Arabien und Irak gemacht und werden auf etwa 8000 bis 7000 v.Chr. datiert. Parallel wurde in Griechenland, China und Nordtirol Glas hergestellt. Zunächst spielte Glas nur als Glasur auf Tonkeramiken eine Rolle: wenn beim Brennen der Keramiken zufällig kalkhaltiger Sand vorhanden war entstand zusammen mit Natron und starker Hitze in den Brennöfen dieser farbige Überzug.
Erst viele Tausend Jahre später (um 1500 v.Chr.) wurde es möglich Glas isoliert zu produzieren und zu verarbeiten.

Die Antike

Gegen 3000 v.Chr. wurden in Ägypten erstmalig Schmuck und kleine Gefäße aus Glas gezielt hergestellt, indem zähflüssige Glasschmelze um eine Form aus Sand oder Ton geformt wurde.
1500 Jahre später wurde diese Technik derart verbessert, daß ein Stab, an dem eine Keramikform befestigt war, in die Glasschmelze getaucht wurde. Die noch heiße Glasmasse wurde anschließend auf einer glatten Fläche hin- und hergedreht, wodurch eine ebene Oberfläche entstand. Auf diese Weise konnten erstmals Gefäße für Öle und Salben aus Glas hergestellt werden.
Um 2000 v.Chr. erreichten syrische Glasmacher mit der Erfindung der Glasmacherpfeife den wichtigsten Fortschritt bei der Glasherstellung. Diese besteht aus einem 1 bis 1,5m langen Eisenrohr mit ca. 1cm Durchmesser. Das eine Ende besteht aus einem Mundstück und einem nicht wärmeleitenden Handgriff, das andere Ende ist leicht erweitert. Damit kann aus der Glasschmelze etwas flüssiges Glas herausgeholt und zu einer hohlen Glasblase aufgeblasen werden. Damit wurde es nicht nur möglich Hohlgefäße aus Glas herzustellen, sondern auch dünnere und verformte Glasgefäße.
Um Verzierungen in den Gläsern zu erreichen wurde das Glas in Holzformen geblasen. Durch eingeschnittene Muster in diesen Formen konnte die Glasoberfläche gestaltet werden.
Um flache Gläser herzustellen, wurden Zylinder geblasen, die anschließend aufgeschnitten und noch warm gewalzt wurden.
Die Ägypter experimentierten mit allen möglichen Zusätzen in der Glasschmelze, um Gläser unterschiedlicher Färbung herzustellen. Die älteste erhaltene Anleitung zur Herstellung von Glas soll aus der Zeit um 650 v.Chr. stammen und lautet: "Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, 5 Teile Kreide - und Du erhältst Glas."
Um größere Gefäße herzustellen, wurden in späteren Jahrhunderten Glasstäbe in Scheiben geschnitten und in Formen gelegt, die dann mit flüssigem Glas ausgegossen wurden.
Im gesamten Römischen Reich wurde die Glasherstellung vorangetrieben. Durch verbesserte Feuerungstechnik erhöhte sich die Festigkeit des Glases, und durch neue Bearbeitungsmethoden (z.B. die Glasschleiferei und Glasmalerei) taten sich weitere Möglichkeiten bei der Verzierung des Glases auf.
Etwa 100 n.Chr. gelang in Ägypten durch Zugabe bestimmter Stoffe erstmals die Produktion von Klarglas.

Das Mittelalter

Für das Mittelalter sind zwei wesentliche Neuerungen zu nennen.

Spiegel
Seit der Antike wurden polierte Metallscheiben als Spiegel verwendet. Zwar hatten die Phönizier Glasspiegel hergestellt, indem sie Zinn hinter Glasscheiben legten. Doch durch die unebene Oberfläche der Scheiben stellten diese Spiegel keine Konkurrenz zu den Metallspiegeln dar.
Ab 1200 n.Chr. wurde in Deutschland das Verfahren entwickelt, die Rückseite einer Glasscheibe mit einer Blei-Legierung zu beschichten, um Spiegel zu fertigen. Aber erst im 17.Jahrhundert gelang es durch eine französische Erfindung auch großflächige Glasspiegel herzustellen. Die heiße Glasschmelze wurde wurde auf Gießtische aufgebracht und plattgewalzt. Durch Schleifen und Polieren wurde anschließend die Oberfläche geglättet, und danach auf der Rückseite mit Metall beschichtet.

Fenster
Ebenso wie bei Spiegeln lag bei Herstellung von Fensterglas das Problem darin, größere Öffnungen mit Glas zu schließen. Wie in der Antike wurden bis ins Mittelalter hinein Glasscheiben dadurch gefertigt, daß geblasene Formen zerschnitten und flachgewalzt wurden. Daher konnten nur Gläser mit kleiner Fläche produziert werden. Aus diesem Grund, wegen der geringen Festigkeit des Glases und wegen der hohen Kosten für Scheiben aus Glas wurden lichtdurchlässige Fensteröffnungen dadurch erreicht, daß man die Öffnungen mit Leinwand oder Pergament verschloß.
Eine erste Lösung, größere Fensteröffnungen mit Glas zu versehen, stellen Butzenscheiben mit Bleiverglasung dar. Diese Technik wurde um 1350 in Frankreich entwickelt. Die Scheiben wurden durch Auseinanderbiegen von geblasenen Kugeln hergestellt (die dabei entstehende Wölbung "Butze" führte zu ihrem Namen) und durch Bleiträger zu größeren Glasflächen verbunden.
Mit Beginn der Gotik und ihren außerordentlich hohen Glasfenstern erlebte auch die Glasmalerei einen bedeutenden Einfluß.

Im 16.Jahrhundert gelang in Venedig, das zu der Zeit die Hochburg der Glasmacherei war, die Herstellung von vollkommen farblosem und hochglänzendem Kristallglas.
Etwa 100 Jahre später entwickelten englische Glasmacher Bleikristall, ein Glas von hoher Brillanz und reinem Klang, das sich hervorragend schleifen ließ und auch für optische Geräte Verwendung fand.
In Deutschland entstanden in dieser Zeit in den waldreichen Mittelgebirgen unzählige Glashütten. Um die für die Glasherstellung notwendige Pottasche zu erhalten, wurden nämlich Buchen- und Eichenstämme verbrannt, und die daraus gewonnene Asche in "Pötten" gennannten Gefäßen ausgelaugt. War der hölzerne Rohstoff abgerodet, zogen die Glasmacher mit ihrer Hütte weiter an einen neuen Ort.
Mit der vergrößerten Förderung von Kohle wurden die Glashütten seßhaft, da sie nicht mehr vom Holz als Brennstoff abhängig waren.

Die Neuzeit

Die technischen Verbesserungen bei der Glasherstellung (insbesondere Verfahren zur Automatisierung) ermöglichten allmählich die Massenproduktion von Glas und leiteten auch im Bereich des Glases die Neuzeit ein. (Für die Weltausstellung 1851 in London wurden von Paxton für seinen "Kristallpalast" beispielsweise 300.000 genormte Glasscheiben verbaut.)

Namen

Johann Kunckel (1630-1703)
1679 verfaßte Kunckel, der Leiter der Potsdamer Glashütte, Rezepte zur Glasherstellung in dem Handbuch "Ars vitraria experimentalis" zusammen, das 300 Jahre lang als Grundlage des Glasmacherhandwerks in Deutschland diente.

Joseph Fraunhofer (1787-1826)
In München gelang Fraunhofer die Herstellung von Gläsern für hochwertige optische Geräte, wie Teleskope, Fernrohre und Mikroskope. Der Sohn eines Glasmeisters und gelernte Spiegelmacher wurde 1823 Professor der Physik und später geadelt.

Ernst Abbe (1840-1905) und Otto Schott (1851-1935)
Die Moderne der Glasherstellung wurde wesentlich beeinflußt durch die Deutschen Schott und Abbe.
Der Chemiker Otto Schott untersuchte die Zusammenhänge zwischen Eigenschaften des Glases und seiner Zusammensetzung.
Im Jahre 1876 kamen Schott und Ernst Abbe, Professor in Jena und Mitinhaber der Firma Carl Zeiss, in Kontakt. Schott fand in jahrelangen Versuchen die notwendige Zusammensetzung für optische Geräte. Schott, Abbe und Carl und Roderich Zeiss gründeten daraufhin das Glastechnische Laboratorium Schott und Genossen, das spätere Jenaer Glaswerk Schott & Gen. Für nahezu alle Gebiete des industriellen Bedarfs produzierte dieser Betrieb hitze-, druck- oder säurefeste oder optische Gläser. Feuerfestes "Jenaer Glas" wurde später in fast jedem Haushalt zum Kochen und Backen verwendet.

Louis Komfort Tiffany (1848-1933) und andere
Mit dem Jugenstil am Ende des 19.Jahrhunderts zeigten sich in der westlichen Welt neue Formen der Glasverarbeitung und -dekoration. Namentlich der Amerikaner Louis Komfort Tiffany, der Franzose Emile Galle (1846-1904), der Österreicher Josef Hoffmann (1870-1956) und die Deutschen Josef Maria Olbrich (1867-1908) und Karl Koepping (1848-1914) schufen künstlerische Gläser von Rang.

Tiffany-Lampe
Wilhelm Wagenfeld (1900-???)
Im Rahmen des Bauhauses zu Weimar (1919-1933) entwarf Wilhelm Wagenfeld seit 1929 eine Vielzahl von Gläsern und Glasobjekten. Am bekanntesten dürften seine Lampenentwürfe Wa24 und Wg24 sein.
Wagenfeld-Lampe